Innovationen machen vor keinem Unternehmen halt. Besonders der Mittelstand muss sich, auch nach einem turbulenten Jahr, neuen Möglichkeiten öffnen. Im Interview zeigt Achim von Michel, Landesbeauftragter Politik im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Bayern auf, wo die Reise 2021 hingehen wird und weshalb eine durchdachte und mittelstandsorientierte Förderung der Schlüssel zum Erfolg im neuen Jahr sein wird.

 

Herr von Michel, danke für Ihre Zeit! Innovationen sind in der heutigen Zeit ein zentraler Bestandteil der Unternehmenszukunft, auch im KMU-Sektor. Wieso ist die Förderung der Innovationen im Mittelstand so relevant?

Der Mittelstand ist eine wichtige Säule der Innovationskraft in Deutschland. Gerade bei uns in Bayern sind zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ansässig, die mit ihren einzigartigen Produkten heimliche Weltmarktführer sind. Doch in den letzten Jahren waren die Innovationsentwicklungen von KMU eher rückläufig: Nur noch 725.000 der insgesamt gut 3,8 Millionen KMU hierzulande haben im Jahr 2019 innovative Produkte oder Prozesse eingeführt, vermeldete die staatliche Förderbank KfW in ihrem Innovationsbericht Mittelstand 2019. Welche Folgen die Corona-Pandemie für die Mittelständler hat, ist davon noch gar nicht berücksichtigt. Für mittelständische Unternehmen ist es daher eine gute Nachricht, dass das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) für 2021 erheblich aufgestockt wird.

 

Gerade für den Mittelstand gibt es einige Fördermöglichkeiten, wie auch das ZIM. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist, sofern es die Leserinnen und Leser noch nicht kennen, ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm. Doch wie geht es im nächsten Jahr, grade nach einer so turbulenten Zeit weiter?

Das ZIM enthält für das nächste Jahr Fördermittel in Höhe von 633 Millionen Euro für Innovations-Projekte. 2020 stand zum Vergleich ein Budget von 555 Millionen Euro zur Verfügung. Das Programm fördert damit mittelständische Forschungs- und Entwicklungsprojekte, FuE-Kooperationen sowie Innovationsnetzwerke – vor allem in strukturschwachen Regionen. Jung- und Kleinstunternehmen sowie Erstinnovatoren erhalten ebenfalls durch das ZIM Unterstützungsmöglichkeiten in Form von nicht rückzahlbaren Forschungszuschüssen, mit denen ihnen der Weg zu anspruchsvollen Forschungs- und Entwicklungsprojekten erleichtert werden soll.

 

Als Landesbeauftragter Politik im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Bayern haben Sie eigentlich den besten Überblick, wie sieht es mit den Forschungsausgaben im Mittelstand denn so aus?

Deutschland kann traditionell einen höchst innovativen Mittelstand vorweisen, der jedes Jahr zahlreiche Patente anmeldet. Die Mehrheit der Patentanmeldungen wird hierzulande immer noch von Unternehmen mit weniger als 100 Patentanmeldungen pro Jahr eingereicht. Hinzu kommen sehr viele Anmeldungen durch kleine Unternehmen oder Erfinder, die insgesamt nicht mehr als fünf Erfindungen jährlich einreichen. Doch in den letzten Jahren hat die Innovationskraft des Mittelstands etwas nachgelassen, was sich in geringeren Forschungsausgaben und Patentanmeldungen von kleinen und mittleren Unternehmen äußert.

 

Jetzt leben wir in einer immer globaleren Welt mit zunehmender Konkurrenz aus dem Ausland, gerade was Innovationen und Technologien angeht. Worauf hat sich der Mittelstand hier einzustellen?

Die Konkurrenz durch Patentanmelder aus Asien und vor allem China nimmt zu. Auch der Vergleich mit dem europäischen Ausland zeigt, dass ein großer Handlungsbedarf besteht: Zwar liegen deutsche KMU im internationalen Vergleich bei der Häufigkeit der Produkt- oder Prozessinnovationen noch vorne, allerdings erreichen sie bezüglich der Patentintensität und des Umsatzanteils mit neuen Produkten im europäischen Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld. Instrumente wie das ZIM und die dieses Jahr endlich eingeführte steuerliche Forschungsförderung können bei dieser Entwicklung entgegenwirken und sind daher aus Sicht des BVMW dringend notwendig.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

 

Über Achim von Michel

Seit über 20 Jahren berät Achim von Michel mit seiner Public Relations Agentur in München lokale, nationale und internationale Unternehmen und Organisationen. Zu den Agenturkunden im Themenbereich Innovation, Patente und Urheberrecht gehörten unter anderem bereits das Europäische Patentamt, die Verwertungsgesellschaft WORT, die GEMA und die Deutsche Bundesregierung. Seit 2011 ist Achim von Michel auch Politikbeauftragter im Bundesverband mittelständische Wirtschaft e.V. (BVMW) in Bayern, hält intensiven Kontakt zu politischen Entscheidern auf Landes- Bundes- und Europaebene, und setzt sich für innovationsfreundliche Rahmenbedingungen im deutschen Mittelstand ein.

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