Virtual Reality eröffnet uns den Zugang zu einer komplett neuen Welt. Wir können fremde Welten bereisen, lernen und sogar mit anderen Nutzern interagieren. Doch wie bei allen technologischen Trends und Innovationen gibt es immer eine gute und eine schlechte Seite der Technologien. Während VR tolle Möglichkeiten für Wissenschaft, Bildung und Entertainment bietet, kann auch Einfluss auf die Psyche genommen werden. Eine medienpsychologische Theorie, die hierbei häufig Betrachtung findet ist der sogenannte Eskapismus.

Eskapismus – die Flucht aus der realen Welt

Als Eskapismus bezeichnet man in der Psychologie den Rückzug aus der realen Welt in eine Scheinwirklichkeit. In der Vergangenheit haben sich Menschen in die imaginäre Welt des TVs zurückgezogen, betrachteten die Darsteller als ihre Freunde oder träumten von der Verwirklichung der eigenen Träume in einer imaginären Welt. Nach der Medienpsychologie wird das Medium dabei zur Alltagsflucht gewählt und dient der Befriedigung affektiver und kognitiver Bedürfnisse.

Im Zentrum der These steht jedoch die Motivation des Nutzers. Menschen, die sich aus der Realität zurückziehen, sind häufig mit ihrem Alltag unzufrieden. Sie finden Freude in einer von ihnen geschaffenen Welt, die sie selbst kontrollieren können – selbst wenn es nur in ihrem Kopf ist. Mit der zunehmenden Weiterentwicklung der Technologien wurde die eigene Fantasie jedoch zunehmend durch technologische Möglichkeiten ergänzt.

 

Virtual Reality als neues Zuhause

Die Relevanz der Eskapismus-Theorie in der heutigen Zeit wurde vor einigen Jahren bereits deutlich, als sich immer mehr Leute mit dem Computerspiel SecondLife identifizierten. Einige Spieler verließen Tage lang nicht das Haus, gingen nichtmehr ihrem Beruf nach, sondern konzentrierten sich ganz darauf im Spiel ihre Wunschkarriere, ihr Wunschhaus und ihre Wunschpersönlichkeit auszubauen. Während die Interaktion und Immersion bei diesem Spiel jedoch noch sehr gering war, wird mit Virtual Reality ein ganz neues Level der Realitätsflucht ermöglicht.

Gerade durch die immer günstigeren VR Headsets wird immer mehr Leuten der Zugang in die virtuellen Welten ermöglicht. Dort können sie sich ganz in einem realistischen Abenteuer verlieren und ihre Träume ausleben. Besonders wirksam ist diese Art des Eskapismus, da der Nutzer weiß, dass ihm nichts passieren kann und er aussteigen kann, wenn etwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Er muss keine Verantwortung tragen oder für Konsequenzen haften, sondern hat die volle Kontrolle über seine virtuelle Welt.

Eskapismus bedeutet Realitätsflucht, gemeint ist die Flucht aus und vor der Realität, mit welcher man nicht zurechtkommt. Scheinen einen die Probleme des Alltags sprichwörtlich zu erdrücken, so gibt es kaum Schöneres, als sich für eine gewisse Zeit in die Welt eines Buches, Filmes oder Computerspieles zu verlieren. Jedoch wird der Begriff Eskapismus meist in negativen Zusammenhängen verwendet. Grund dafür ist, dass man vor seinen Problemen weglaufen möchte, man flüchtet. Man stellt sich seinen Problemen nicht und kann somit auch keine Lösungen finden.

 

Ein Lösungsansatz

Um diesem Phänomen entgegen zu wirken und die Nutzer zu schützen, liegt es an den Herstellern der Headsets und Spiele einen übermäßigen Konsum zu kontrollieren. Sie müssen im System Spielpausen hinterlegen, die den Nutzer zwingen aus der virtuellen Welt aufzutauchen und sich mit der realen Welt zu beschäftigen.

Besonders relevant wird diese Art des Nutzerschutzes dann, wenn Social VR, wie es von Facebook aktuell entwickelt wird, Teil des Alltags wird und auch die Interaktion mit anderen Nutzern möglich wird. Unternehmen, sowie Nutzer müssen daher verantwortungsbewusst mit der Technologie umgehen.

Es darf jedoch auch nicht zu einer Verteufelung der Möglichkeiten von VR kommen. Wie bei allen Dingen im Leben, muss man abwägen und Entscheidungen treffen. Es gibt kein schwarz und weiß, Technologien haben alle ihre Graustufen und diese gilt es zu erkunden und auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen, immer mit Blick auf das eigene Wohlergehen und das soziale Umfeld.

 

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