Es ist so weit, die Oculus Rift macht sich auf den Weg in die Haushalte weltweit. Trotz einiger Schwierigkeiten im Versandt und einem straffen Zeitplan feierte das vor einem Jahr von Facebook gekaufte Virtual Reality Unternehmen am 28. März 2016 den Release seines VR-Headsets.

Ein perfekter Moment für Facebook Gründer Mark Zuckerberg, um der Welt einen exklusiven Blick auf das neue Produkt zu geben, bevor es in den nächsten Wochen die Nutzer erreicht.

Dieser Blick durchs Schlüsselloch war jedoch nicht nur auserwählten Entwicklern oder Technikjournalisten vorbehalten – die ganze Welt konnte teilnehmen und einen ersten Eindruck der Oculus erhalten. In einem von Zuckerberg geschalteten Live-Stream auf Facebook sah man den jungen Unternehmer im Firmen Hauptquartier. Die Ankündigung:

“This week, we started shipping Oculus Rift. I’ll be showing you what’s inside the box and taking some of your questions.”

Diese wenigen Worte im Teaser machen das Live-Video zu einem hervorragenden Beispiel der Innovationskommunikation. Denn eines ist sicher: neue Entwicklungen und Innovationen an die Kunden zu kommunizieren ist harte Arbeit.

Mark Zuckerbergs Live-Video (Quelle: YouTube/Original Facebook)

 

In meiner Zeit als Projektmanager für Multimedia habe ich viele Filmproduktionen planen und begleiten dürfen, einige audiovisuelle Kommunikationskampagnen geplant. Dabei war alles dabei, vom Hochglanz-Produktvideo bis hin zum Making-Of. Doch audiovisuelle Kommunikation ist trotz digitaler Verbreitung im ersten Moment eine Einwegkommunikation. Sehe ich nur den Film kann ich keine Fragen stellen, kann nicht nachfragen was der Interviewpartner meinte, bin auf mich gestellt.

Oculus Mitgründer Brenden Iribe, Mark Zuckerberg und Facebook CTO Mike Schroepfer umgingen diese Hürde, auf die für Facebook naheliegende Art, sie machen es sozial. Die Nutzer bekommen bei dem Live-Video nicht nur einen Blick in das Facebook Hauptquartier oder das Büro des Oculus Rift Teams, sie werden emotional abgeholt.
Emotionalität ist dabei das Schlüsselwort. Um Innovationen wirklich verkaufen zu können, müssen die Kunden ein erstes Gefühl für das Produkt bekommen – ob durch die Verpackung, Anwendungsbeispiele oder Kommunikationsmaßnahmen.

In Sachen Produktpräsentation und -verpackung ist Apple dabei seit Jahren Vorreiter. Die Produktverpackungen der Apple-Produkte zählen zu den Best-Practice Beispielen jeder Marketing-Vorlesung. Facebook und Oculus müssen sich mit ihrem schmalen schwarzen Karton, der eine ganz besondere Eleganz ausstrahlt, jedoch nicht verstecken.
In ihm befindet sich das Headset, Sensor, Fernsteuerung und ein X-Box One Controller. Freudig plaudernd packen Zuckerberg und Iribe alles aus und schließen es direkt an einen Windows PC an. Dabei erzählt der Facebook-Gründer von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Headset und der Arbeit im Bereich der virtuellen Realität.

„We’re building a lot of different teams to work on different social VR experiences“ – Mark Zuckerberg

Die ganze Zeit wirkt die Szene ungeskriptet. Dass es eine spontane Aktion war nimmt man ihnen trotzdem nicht ab. Aber gerade durch den lockeren Umgang zwischen den Protagonisten des Films wird man aufmerksamer. Ein guter Trick im Marketing der Innovationen, denn Personen mit einer so komplexen Technik zu verbinden hilft den Nutzern sie besser fassen zu können und Technik zu vermenschlichen.

Ein wenig ist es wie Weihnachten, als Zuckerberg als nächstes auch die Oculus Touch Controller auspackt, die etwas später erscheinen werden und f kommentiert:

„It’s a natural extention of youself, it really brings your hands into the game“ – Brenden Iribe

Immer wieder beantworten die Männer dabei Fragen der zugeschalteten Nutzer und helfen Unklarheiten zu beseitigen und bennende Fragen zu beantworten. Auch andere Beispiele aus dem Hause Facebook/Oculus beweisen, dass diese Art der Kommunikation für das Virtual Reality Headset genau die richtige zu sein scheint. Am 24. März schaltete Ocolus Gründer und Erfinder Palmer Luckey einen Live-Stream. Er hat die erste Lieferung an einen Entwickler persönlich übernommen – und zwar nach Alaska.

Palmer Freeman Luckey übergibt die erste Lieferung der Oculus Rift (Quelle: Palmer Freeman Luckey)
Palmer Freeman Luckey übergibt die erste Lieferung der Oculus Rift (Quelle: Palmer Freeman Luckey)

Wieso funktioniert diese Art der Innovationskommunikation?

Wie bereits beschrieben ist ein großes Problem des Videomarketings die Einweg-Kommunikation. Nutzer können Videos zwar auf den verschiedenen Kanälen wie Facebook, Twitter oder YouTube kommentieren, bekommen jedoch nur zeitversetzt Antwort. Einige Zuschauer machen sich dabei nicht mal die Mühe zu kommentieren, sondern bleiben mit ihren Fragen alleine zurück.

Im Fall der Oculus Rift, die eine technische Revolution in einem Innovations-Sektor, der gerade erst seinen Kinderschuhen entwächst, darstellt, wäre eine solche Lücke zwischen Kommunikationsbotschaft und Feedback im schlimmsten Fall das Quäntchen an der Waage, das zum Nichtkauf motiviert.

Ich möchte hier jedoch auf keinen Fall die klassischen Videos herabsetzen und freue mich sogar auf die ersten professionellen Produktvideos zu Headsets und Co. Aber bei der Zielgruppe, die mit dem Live-Video erreicht wurde, war eine solche Kommunikation von Nöten.

Nach den idealtypischen Adopterkategorien von Everett M. Rogers wurden mit Zuckerbergs Video die Early Adopter adressiert. Während es zu früh für die Early Majoritys ist und das Video zu wenig technisch für die Innovatoren war, bleiben nur die frühen Anwender übrig – und diese wurden ganz nach ihren Charakteristika angesprochen. Typisch für diese Zielgruppe ist dabei der Fokus auf die Anwendungsszenarien und erste Erfahrungen im Umgang mit einer neuen Technologie – nicht auf die Technologie selbst. Das Facebook und Oculus-Team holten ihre Zuschauer also perfekt ab.

Wieso ich mir sicher bin, dass es genau diese Zielgruppe war? Bin ich nicht. Aber um über zwanzig Minuten ein Video zu schauen muss definitiv ein hohes Interesse gegenüber der Oculus Rift herrschen. Dazwischen waren zwar sicher auch einige Technikjournalisten, Blogger und Agenturen – aber auch diese wollten keine tiefen technischen Details hören. Keine Geschichten aus dem Labor. Auch sie waren auf der Suche nach dem „Hands on“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein großer Schritt in der Innovationskommunikation war und viel Mut, sowohl von Palmer Luckey als auch Mark Zuckerberg, erforderte um vor einem weltweiten Publikum live zu gehen. Doch das Strahlen der innovativen Begeisterung in beiden Gesichtern macht Neugierig und Lust die Oculus selbst in den Händen zu halten.

 

Beitragsbild: Facebook

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