Wirft man einen Blick in die Presse der letzten Monate bekommt man schnell das Gefühl es wäre eine Innovation jetzt, in diesem Moment, für alle Branchen und Unternehmen unabdinglich – vernichtend im schlimmsten Fall. Schlagzeilen sprechen eine deutliche Sprache: „Innovationen: Mittelständler forschen zu wenig“, titelt SPIEGEL ONLINE. „Deutsche Unternehmen hinken bei Innovationen hinterher“, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Doch seit wann sind Innovationen eine Sache des Fleißes? Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt den Begriff als eine Veränderung bzw. einen Wechsel in und durch die Unternehmung. Innovationen müssten entdeckt/erfunden, eingeführt, genutzt, angewandt und institutionalisiert werden. Doch ist wirklich jedes Unternehmen dazu fähig eine Forschungsabteilung zu beschäftigen und Prototypen zu schaffen um Vorreiter zu sein? Muss es eine Innovation rein um der Innovation Willen geben? Betrachtet man die großen Erfolge der letzten Jahre, sowohl bei alteingesessenen Unternehmen als auch bei Startups, haben sich die hervorgetan, die sich nicht treiben sondern inspirieren liesen. Eine Innovation kann nicht idealtypisch laufen und sollte es auch nicht!

Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien. (Albert Einstein)

Auch wenn es schon fast Klischee ist ein Argument mit einem Einstein-Zitat einzuleiten, so hat er doch recht. Innovationen und Entwicklungen können nicht übers Knie gebrochen werden. Es braucht Mut, Kreativität und Inspiration.

Unternehmer müssen sich viel mehr ihre Mitarbeiter ansehen, ihre Geschichte, ihr Feld. Wo ist die Nische? Wo sind die versteckten Talente im Unternehmen – und zwar nicht nur im mittleren Management! Bei Google entstanden viele der besten Ideen der letzten Jahre durch ihre Mitarbeiter. Das Konzept der „20% time“ hat Erfolgsgeschichten wie AdSense, Gmail und viele weitere Produkte, die heute zum Alltag der Internet-Nutzer gehören, hervorgebracht. Doch nicht nur die Ressource Mensch, sondern auch technische Entwicklungen können inspirieren. Ob durch neue Anwendungen, wie eine App, ein soziales Netzwerk oder ein ganz neues Feld, wie das Internet of Things, Augmented Reality oder Virtual Reality – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Doch gerade weil es teilweise so einfach ist, wirkt die Innovationsscheu, die immer wieder angeprangert wird, umso beängstigender. Besonders Kanäle, die einzelne Bedürfnisse der Kunden allein durch ihre Charakteristika fast selbstständig bedienen, werden unzureichend genutzt. So bleiben soziale Netzwerke, wie Facebook, Twitter oder WhatsApp, als Dialog- und Feedbackmedium oft unberührt, Onlineshops und Blogs als Informationsquelle ungenutzt. Um die Kunden in die neue Ära der Geschäftswelt zu begleiten, sie für die Omnichannel-Konzepte empfänglich zu machen, ist Aufklärungsarbeit notwendig. Customer Journeys müssen für den kleinsten Händler und das unscheinbarste Unternehmen wenigstens m Hinterkopf bedacht sein.

Dabei ist es nicht notwendig, eine vollständige Kehrtwende zu machen, allein das es viele der Unternehmen trotz fehlender Digitalisierung noch gibt, zeigt, dass irgendetwas funktioniert hat und sie ein zentrales Bedürfnis der Kunden befriedigen können – oder konnten. Grundvoraussetzung ist vielmehr, den Versuch zu wagen und den Weg ins Digitale zu gehen. Wenn es nicht klappt: aufstehen, Krone richten, nochmal versuchen.

If you’re not failing every now and again, it’s a sign you’re not doing anything very innovative. (Woody Allen)

Und mir ist bewusst, dass der Mut zum Scheitern auch eine Budgetsache ist. Aber nur mit dem Mut zu Neuem kann man sich langfristig gegen die Konkurrenz behaupten, denn dann wird es ein natürlicher Wettbewerb sein, wo der Wettbewerber, der die richtigen Technologien, die richtigen Konzepte und die auf ihn zugeschnittenen Mehrwerte anbietet, den Kunden gewinnt.

Unternehmen müssen jetzt keine großen Apps programmieren oder sich Hals über Kopf in Zukunftstechnologien stürzen, sie dürfen nur nicht die Augen vor den Optionen verschließen. Online gehört heute zum Leben der Konsumenten und hat auch zum Geschäftsalltag jedes Unternehmens, egal welche Größe, zu gehören. Der nächste Schritt? Messen und Seminare besuchen, Blogs lesen oder den althergebrachten Blick auf die Konkurrenz werfen. Die Devise jedoch: Tut etwas!

Aber eines ist ein Muss: Unternehmen, ihr müsst euch spezialisieren, denn die Zukunft gehört nicht länger den Generalisten, sondern den Spezialisten. Also nicht kirre machen lassen, wenn die Presse nach sofortiger Digitalisierung brüllt oder nach Innovationen drängen – solange wir Medienleute noch rufen ist häufig alles in Ordnung, aber es ist ein Warnsignal. Fängt der Kunde an zu rufen…viel Glück…

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