Vernetztes Denken als wichtiger Treiber für eine nachhaltige globale Zukunft

 

Als vor fast zwei Jahren dieCovid-19 Pandemie aufkam, traf uns das völlig unvorbereitet. Niemand hätte auch nur annährend etwas von dieser Tragweite erwartet. Sicherlich war das ein wenig naiv, denn Pandemien gab es bereits in der Vergangenheit und wird es auch in Zukunft geben.

Die Debatte um die Frage, ob die Reaktion zu heftig oder zu schwach war, wird uns sicher auch die nächsten Jahre noch begleiten. Es ist fraglich, ob wir darauf je eine klare Antwort bekommen. Die Auswirkungen der Pandemie und der Reaktion auf diese sind allerdings nicht zu übersehen. Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet, und unser Leben geriet in Chaos. Wir verloren (zum Teil) unsere Freiheit, unsere Jobs, und in mancher sogar sein Leben. Jede Krise öffnet aber auch neue Möglichkeiten. Der Gründer des World Economic Forums in Davos, Klaus Schwab, spricht in seinem Buch, das im Sommer letzten Jahres erschien, von „The Great Reset“ und er hat zumindest in einem recht: Wir mussten unser Leben insgesamt überdenken und neue Wege finden. Und vieles davon wird uns auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Plötzlich waren wir mit der Notwendigkeit einer umfassenden Innovation aller Lebensbereiche konfrontiert.

Schon als wir uns kurz nach der Gründung des Diplomatic World Institutes im Juni 2019 zusammensetzten, um über unseren Zugang zum Thema Innovation zu sprechen, also noch vor Ausbruch der Pandemie, wurde uns sehr schnell klar, dass wir eine viel breitere Definition des Innovationsbegriffs brauchen. Jetzt ist das noch einmal viel deutlicher geworden.

Während unserer Gespräche im Institut mussten wir schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach sein würde, eine neue Definition zu finden, da wir uns in einem Bereich bewegen mit Begriffen, die schon von Interessengruppen innerhalb unserer Gesellschaft, der Wirtschaft und nicht zuletzt auch von dubiosen Verschwörungstheorien besetzt werden. Wir merkten schnell, dass wir tief in die Definitionen und den gegenwärtigen Zustand unserer globalen Gesellschaft einsteigen müssen, um unser Ziel verständlich zu machen.

Was mich aber noch mehr überraschte, war in welcher Weise der Begriff „Innovation“ von der IT-Industrie in Beschlag genommen wurde. Seitdem ich meinen Titel „Director Innovation“ auf LinkedIn eingestellt habe, werde ich mit Anfragen der Verkaufsbeauftragten von Software-Unternehmen geflutet. Auch die haben mein Profil nicht gelesen, sondern gehen einfach davon aus, dass der Direktor Innovation für die Entwicklung und Implementierung von Softwarelösungen im Unternehmen zuständig ist. Der Begriff wurde okkupiert und wird häufig nur noch als Technikbegriff wahrgenommen. Ein Beispiel: Ein Start-Up bringt eine tolle neue Technik an den Start und revolutioniert damit den Markt. Durch sie kann alles viel effizienter und einfacher erledigt werden, natürlich ohne Personalabbau. Die Leute können sich jetzt einfach auf die wichtigeren Dinge konzentrieren, die sonst zu kurz kommen… Das ist es, was uns immer wieder erzählt wird. Das wird uns auch gerade wieder erzählt bei den Robotern, angetrieben durch Künstliche Intelligenz (KI), die gerade in den Unternehmen Einzug halten. Wir wissen alle, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist! In vielen Fällen wird es eher so aussehen: Ein Teil der Belegschaft wird entlassen, während beim verbleibenden Teil ausgetestet wird, wie viel jetzt mehr geleistet werden kann. Höhere Effizienz zur Gewinnsteigerung, das ist es, wozu Innovation in den letzten Jahren verkommen ist, und das mit einem immer größeren Momentum.

Das wird weiter zunehmen. Die nächste Hardware-Generation, die Quanten Computer, stehen schon in den Startlöchern. Kleine bezahlbare Computer der nächsten Generation werden bald leistungsfähiger sein als die Supercomputer von heute und werden unser Wissen überproportional erweitern. Das wird, unter anderem, alles, was wir heute über Datensicherheit zu wissen glauben, auf den Kopf stellen, und wir werden uns in einem bisher ungekannten Ausmaß auf Veränderungen einstellen müssen.

Für viele ist das bereits heute ein großes Problem. Viele wissen heute schon nicht, was auf sie zukommt und haben lediglich ein diffuses Gefühl, dass etwas Unbegreifbares passiert: Ihre Jobs geraten in Gefahr und Dinge, die man über Jahre kannte und liebgewonnen hat, verändern sich plötzlich, fast schlagartig… Was auch wahrgenommen wird, ist, dass die Systeme zunehmend an Balance verlieren und ungerechter werden, etwa wenn es den Tech-Giganten Google und Apple gelingt, durch geschicktes weltweites Taktieren nirgends Steuern zahlen zu müssen.

Gleichzeitig verändert sich das Klima. Die Temperaturen steigen weltweit, und das verlangt uns signifikante Einschnitte in unserem Lifestyle ab. Auch das hat mit dem technischen Fortschritt zu tun: Wir können immer schneller und billiger produzieren und einfach von einer Seite des Globus auf die andere transportieren. Wir überdehnen den Verbrauch unserer Ressourcen genauso wie die Fähigkeiten der Menschen, in dem wir sie nur noch als Humankapital wahrnehmen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Das verlangt nach einer neuen Weltordnung! Nicht in der Art, wie sie in Verschwörungstheorien verwendet wird, die darin den jahrhundertalten Plan von Illuminaten und Freimaurern sehen, uns zu knechten. Was wir brauchen, ist ein neues, global abgestimmtes System, ein klar abgegrenztes Spielfeld und gleichberechtigtes Regelwerk, das es allen Beteiligten erlaubt, nachhaltig ihre Aktivitäten zu entfalten. Das ist die Herausforderung, gleichermaßen für Diplomatie wie auch für Lobbyisten und alle anderen Beteiligten. Das ist ein langer Weg, der heute erst auf den allerersten Metern ist. Zu stark ist noch der Wunsch nach der alten Komfortzone und danach, den eigenen Vorteil zu erhalten.

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