Der Robotermarkt gewinnt immer mehr an Bedeutung. Besonders in der Automatisierung der Industrie spielen die intelligenten und flexiblen Maschinen eine große Rolle. Doch auch im sozialen Sektor werden sie in naher Zukunft nichtmehr wegzudenken sein. Sogenannte Social Robots, sind autonome Roboter, die mit Menschen interagieren und ihnen Linderung oder Freude bereiten sollen.

Bis 2019 wird der weltweite Robotik-Markt auf ungefähr 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Während aktuelle Prognosen zwar eine verstärkte Konzentration von Industrierobotern zeigen, wird die Nachfrage nach Consumer-Roboter vorrausichtlich bis zu siebenmal schneller wachsen als in der Industrie. Die Social Robots, auch soziale Agenten genannt, sind dabei eine der am positivsten zu bewertenden Entwicklungen im Business- und Consumer-Bereich.

 

Anwendungsbeispiele für Social Robots

Viele der Social Robots sind mit einem Bildschirm ausgestattet, der den Kopf oder das „Gesicht“ darstellt, um dynamisch mit den Benutzern zu kommunizieren.

Im Gegensatz zu ihren Artgenossen in den Industriehallen, müssen Social Robots auf unser unberechenbares menschliches Verhalten reagieren und unsere Absichten lesen.

 

„Roboter müssen herausfinden, was der menschliche Partner will und annimmt, und dann diese Schlussfolgerungen berücksichtigen, um sein eigenes Verhalten anzupassen und richtig zu reagieren.“ – Bertram Malle, PhD, Professor für Kognitions-, Sprach- und Psychologiewissenschaften an der Brown University

 

Ein Beispiel für einen solchen Social Robot ist Jibo. Sein virtuelles „Auge“ arbeitet wie ein großes Emoticon. Es zwinkert, rollt oder schaut verwirrt drein, während sein großer Kopf sich neugierig zur Seite legt. Der Social Robot Jibo ist wie eine interaktive Comicfigur, die auf Befehl die Musik einschaltet, vorliest oder Fotos macht. Alles in direkter Reaktion auf den jeweiligen Nutzer.

 

JIBO: The World’s First Social Robot for the Home (Quelle: Innovation Top/Jibo)

 

Gerade sein kindliches Verhalten, sorgt dafür, dass er ein so großes Vertrauen bei den Nutzern geniest.

 

Chancen durch die Social Robots

In einer Reihe von Studien hat Yale Professor Scassellati ein überraschendes Merkmal identifiziert, das Roboter für den Menschen attraktiver macht: die Fähigkeit zu betrügen In seinem Experiment spielten die Teilnehmer Schere-Stein-Papier mit einem Testroboter. Wenn die Maschine sich dabei vorhersehbar verhielt, nahmen die Teilnehmer ihn als bloße Maschine wahr, wenn er jedoch betrog, verhielten die Testpersonen sich ihrem maschinellen Gegenüber menschlicher.

 

„Sobald der Roboter betrügt, geht er sofort vom Objekt zum Agenten über. Plötzlich beginnen die Menschen, Augenkontakt mit ihm aufzunehmen, sie werden anfangen, mit ihm zu sprechen und zwischenmenschliche Raumbeziehungen mit ihm zu zeigen, sie werden anfangen, Personalpronomen zu verwenden, wenn sie sich auf ihn beziehen“ – Scassellati, Professor of Computer Science, Cognitive Science, and Mechanical Engineering at Yale University

 

Dieses Phänomen der menschlichen nähe nutzt auch die Roboter Robbe Pardo bei älteren Patienten aus, um ihnen zu helfen die Einsamkeit zu bekämpfen. Die mechanische Robbe wackelt mit der Flosse und zeigt eine Vielzahl an Emotionen. Gerade Testpersonen mit Demenz, die regelmäßig Zeit mit Paro verbrachten, zeigten ein gesteigertes Maß an Freude und Lebensqualität, als Gleichaltrige.

 

PARO: Therapeutic robot baby seal for people with dementia

PARO: Therapeutic robot baby seal for people with dementia (Quelle: Alzheimer’s Australia Vic)

 

Allein diese Beispiele zeigen, dass die Chancen der Robotik weit über den arbeitstechnischen Einsath hinausgehen. Um die Maschinen daher nicht nur nützlich, sondern auch zugänglich für die zukunftskritische Bevölkerung zu gestalten, sollten Ingenieure enger mit Soziologen kooperieren, um die Roboter der nächsten Generation nicht nur technisch, sondern auch sozial optimal zu designen.

 

 

Beitragsbild: JIBO

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